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Handlungsfeld 2: Führung, Handeln, Kommunikation

In Handlungsfeld 2 wurde untersucht, wie klimafreundliches Handeln im Stadtkonzern Reutlingen gestaltet und kommuniziert werden kann: Was brauchen städtische Führungskräfte, um eigene Führungsstrategien für Klimaschutz zu entwickeln? Welche Angebote fördern klimafreundliche Entscheidungen und Verhaltensweisen von Mitarbeitenden? Wie kann wirksame Klimakommunikation aussehen?

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Zu Beginn des Reallabors Klima-RT-LAB identifizierten drei transdisziplinäre konzernweite Arbeitsgruppen in einer umfassenden Workshop-Reihe die wichtigsten Veränderungspotenziale und entwickelten Maßnahmen für die Bereiche Energie, Ressourcen, Mobilität, Beschaffung und Klimakommunikation. Ausgewählte Maßnahmen, wie z. B. eine E-Mobilitäts- und Pedelec-Schulung wurden getestet, weiterentwickelt und in das städtische Fortbildungsprogramm integriert. Weitere Sensibilisierungsmaßnahmen zum Energie- und Papiersparen wurden in der Stadtentwässerung und dem Amt für Tiefbau, Grünflächen und Umwelt erprobt. Damit war der Grundstein für den Rollout der internen Klimaschutzkampagne in Phase II gelegt.

Ein zentrales Ergebnis der Pilotprozesse wie auch der begleitenden Klimaschutzumfrage unter den Mitarbeitenden des Stadtkonzerns Reutlingen war die Zielsetzung, die Führungskräfte in ihrem Führungshandeln für Klimaschutz und beim Entwickeln eigener Führungsstrategien zu unterstützen. In Folge dessen wurden vier Führungskräfte-Workshops mit zwei unterschiedlichen Konzepten umgesetzt und eine Handreichung „Führen für Klimaschutz“ erstellt. Die Identifikation von entscheidenden „Klima-Hebeln“ im Stadtkonzern war ein weiterer Schwerpunkt in diesem Handlungsfeld. Mithilfe von qualitativen Einzel- und Gruppengesprächen wurden Treiber und Hemmnisse für klimafreundliches Handeln der Mitarbeitenden erhoben: Ein Klimabudget, mehr Personal, höherer Stellenwert von Klimaschutz in ständiger Konkurrenz zu anderen kommunalen Pflichtaufgaben und eine transparente Klimaneutralitätsstrategie – um nur einige der zentralen Treiber zu nennen. Auch Anreize können Mitarbeitende motivieren, klimafreundlicher zu handeln. Deshalb wurden drei Anreizoptionen in enger Abstimmung mit Hauptamt, Dezernent:innen und dem Gebäudemanagement überprüft.

  1. Führung für Klimaschutz erfordert strategischen Überblick, regelmäßigen Austausch und Vorbildwirkung
  2. Klimafreundliches Handeln durch verbindliche Sensibilisierung und Partizipation fördern
  3. Klimaneutralität durch gezielte Klimakommunikation zentral verankern

In drei Workshops mit jeweils bis zu 14 städtischen Führungskräften aus Stadtverwaltung, Eigenbetrieben und Tochterunternehmen wurden klimarelevante Berührungspunkte im Führungsalltag identifiziert, Unterstützungsbedarfe gesammelt und Rückmeldungen für ein geeignetes Schulungsformat eingeholt. Das Feedback wurde im Folgeformat „Klima x Führung x Dialog“ realisiert, welches aus einem strategischen Überblick, zwei Praxiskarussellen mit Best Practices sowie Lessons Learned und mehreren Austauschrunden bestand. Alle vier Workshops wurden weitgehend positiv von den knapp 60 teilnehmenden Führungskräften wahrgenommen, v. a. der Austausch untereinander wurde als sehr hilfreich bewertet.

Nach dem Aus des deutschen European Energy Awards 2025, nimmt die Stadt Reutlingen am deutschen Nachfolgeprogramm „Klimakommune Deutschland“ teil. Nach Einführung und Integration der Treibhausgasbilanzen, Minderungspfade und den zugehörigen Klimaschutzmaßnahmen wird auf einem öffentlichen Dashboard der Status quo der Klimaneutralität Reutlingens für alle einsehbar sein. Damit ist der bisherige strategische Überblick im Format „Klima x Führung x Dialog“ und auch eine gesonderte Bereitstellung und Information für alle Mitarbeitenden im Stadtkonzern nicht mehr erforderlich, sondern jederzeit persönlich abrufbar. Auf mehrfachen Wunsch der Workshop-Teilnehmenden wurde eine praxisorientierte Handreichung für Führungskräfte erarbeitet, die Tipps für den Einfluss- und Verantwortungsbereich einer Führungskraft gibt. Wesentlich ist, dass Führungskräfte von der Bürgermeisterin bis zur Teamleitung authentisches Vorbild für klimafreundliches Verhalten sind, gemeinsam mit ihren Mitarbeitenden klimafreundlich handeln und so ein systemisches Umdenken vorantreiben.

Im Pilotprozess der Phase I wurden in Workshops Erfahrungen, Veränderungspotenziale und Ideen gesammelt und gemeinsam mit Amts- und Abteilungsleitenden zu konkreten Handlungsoptionen ausgearbeitet. Abhängig von deren Wirksamkeit wurden die Maßnahmen skaliert oder verworfen, z. B. Steckerleisten für individuelles Stromsparen, Papier- und Energiesparplakate und -mails sowie weitere Schulungskonzepte wurden umgesetzt. Ein weiteres Handlungsfeld war die stärkere Berücksichtigung von Klimaschutz im Beschaffungs- und Vergabeverfahren im Stadtkonzern Reutlingen. Qualitative Interviews zeigten: Zentrale Hebel sind die stärkere Gewichtung klimabezogener Kriterien sowie die Priorisierung besonders CO₂-intensiver Beschaffungsbereiche. Damit war das Klima-RT-LAB Wegbereiter für den Entwurf der „Leitlinie für die nachhaltige Vergabe und Beschaffung in der Stadtverwaltung Reutlingen“, die nach Beschluss den umfassenderen Leitlinien für Klimaneutralität (siehe 1.1) als Anhang beigefügt werden.

Schon vor Beginn des Reallabors gab es im Stadtkonzern Reutlingen wirksame Anreize wie bspw. Jobticket und JobRad. Im Klima-RT-LAB wurden drei weitere Ansätze für Anreize zu klimafreundlichem Verhalten geprüft: Boni für Geschäftsführende und Betriebsleitende bei Zielerreichung, Anreize für energiesparendes Heizen am Arbeitsplatz und Belohnungen für Klimaschutz-Vorschläge. Die Umsetzung der entsprechenden Anreizsysteme konnte allerdings nicht realisiert werden: Finanzielle Boni sind im kommunalen Kontext nur eingeschränkt umsetzbar, da sie mit bestehenden Vergütungs- und Verantwortungsstrukturen kollidieren können. Technische Voraussetzungen zur individuellen Messbarkeit von Einsparungen beim Heizen sind sehr aufwändig. Ein Ideen- und Vorschlagsmanagement besteht bereits und wurde in den Leitlinien für Klimaneutralität (siehe 1.1) noch einmal hervorgehoben. Um klimafreundliches Verhalten am Arbeitsplatz zu erhöhen, sollten kostengünstige und abwechslungsreiche Sensibilisierungsmaßnahmen forciert sowie Synergien mit anderen Themenfeldern genutzt werden. Ein im Reallabor erarbeitetes, digitales Klimaschutz-Training ergänzt das Angebot im Intranet, das Mitarbeitende jederzeit freiwillig abrufen können.

Entlang fünf thematischer Module (Papiersparen, Energiesparen, Veganuary, Fairbruary und Mobilität „Steig um!“) transportierte die Klimaschutzkampagne digitale wie analoge Sensibilisierungsformate. Über eineinhalb Jahre wurde damit ein zentrales Klimakommunikations-Tool aufgebaut. Ausgangspunkt für die Module Papiersparen und Energiesparen waren die Erfahrungen aus dem Papier- und Energiesparmonat des Pilotprozesses aus Phase I. Aus den Ergebnissen der Module Veganuary und Mobilität „Steig um!“ geht hervor, dass es sich lohnt, Klimaschutz mit anderen Themen wie individueller Gesundheit zusammenzudenken und Team-übergreifend zu arbeiten.

Nachdem die Kampagne erfolgreich in Stadtverwaltung, Stadtentwässerung und Technischen Betriebsdiensten umgesetzt wurde, wird die Klimakommunikation mithilfe einer zentralen Arbeitsgruppe aus den jeweiligen Klimaschutz-, Energie- und Kommunikations-Expert:innen fortgeschrieben. Das „Ideen-Kistle“, ein Instrumentenkasten mit verwendeten Materialien, Auswertungsergebnissen, Empfehlungen und Ideenspeichern, steht kostenlos zum Download bereit.

Auch der Klimaschutzkanal im Intranet der Stadtverwaltung und Eigenbetriebe konnte u. a. durch die Aktionen des Reallabors seine Abonnements von anfangs unter 20 auf aktuell 139 Mitglieder (Stand Mai 2026) steigern. Zentral bei kommunaler Klimakommunikation ist, dass nicht nur allgemeine Klimaschutz-Informationen geteilt werden, sondern lokale Projekt-Erfolge öffentlich gefeiert und Herausforderungen analysiert werden, um von den Erfahrungen anderer zu lernen. Kurz gesagt: Klimakommunikation muss maßgeschneidert auf die jeweilige Kommune oder Situation entwickelt werden.

folgen in Kürze
  • Handreichung für Führungskräfte: Klimaschutz als Führungsaufgabe
  • Modul-Baukasten Führungskräfte-Workshop